Tritt ein Wanderer von Grimma über Glasten aus dem Wald, liegt vor ihm auf einem sanft geschwungenen Höhenrücken ein kleines Dorf. Eine Kirche mit barockem Zwiebelturm ragt über die Dächer. Es ist Ballendorf. So beschrieb es unser Dorfschullehrer und Heimatfreund Johannes Oliva 1957 zu Beginn seiner Chronik. Auf dieser Grundlage werfen wir heute noch einmal einen Blick zurück.

Steigen wir gedanklich auf den Kirchturm. Von oben erkennt man deutlich die ursprüngliche Siedlungsform. Ballendorf bei Bad Lausick ist ein Straßenangerdorf. In einer Mulde zieht sich der Dorfanger von Ost nach West, früher um vier Teiche, heute noch um zwei. Einst war dieser Anger Gemeindeland, auf dem Enten und Gänse gehalten wurden. Entlang der Wege zu beiden Seiten lagen die Bauernhöfe.

Kirche, Schule (von ca. 1590 bis 1968) und Schmiede bildeten die Mitte des Dorfes. Im unteren Teil entwickelten sich größere Höfe der sogenannten Pferdner, deren Giebel zur Straße zeigten.

Die Anfänge reichen bis in die Zeit zwischen 1150 und 1200 zurück, als in der Region umfangreiche Rodungen stattfanden. Siedler aus Franken machten das Land urbar. Der Name Ballendorf geht vermutlich auf einen Mann namens Ballo oder Baldo zurück. In einer Urkunde von 1368 erscheint erstmals die Bezeichnung Baldendorf. Ein Rittergut entstand hier nicht, vielmehr wuchs ein Bauerndorf heran.

Ballendorf gehörte zum Herrschaftsbereich der Grafen von Colditz und später zum Amt Colditz. Die Bauern waren zu Frondiensten auf den Vorwerken in Lauterbach und Ebersbach verpflichtet. Die Aufgaben waren genau geregelt, ohne Entlohnung, nur die Verpflegung wurde gestellt. Je nach Größe des Hofes arbeiteten die Bauern mit Pferdegespannen oder brachten ihre eigene Arbeitskraft ein, oft auch dann, wenn die eigene Ernte darunter litt. Erst 1832 wurden die Frondienste abgeschafft und durch Geldzahlungen ersetzt. Damit begann eine neue Phase in der Landwirtschaft mit steigenden Erträgen.

Mit den fränkischen Siedlern kam auch die typische Hofform nach Ballendorf. Der Dreiseitenhof mit Wohnhaus, Scheune und Seitengebäude prägte das Ortsbild über Jahrhunderte. Die Häuser standen auf festen Steinsockeln, die unteren Wände bestanden aus Lehm, die oberen Geschosse aus Fachwerk. Viele dieser Giebel sind heute verändert, doch sie gehörten lange zum vertrauten Bild des Dorfes.

Im Inneren lagen zur Straße die Stuben, dahinter Küche und Vorratsräume, häufig schloss sich der Stall direkt an. Im Obergeschoss befanden sich die Schlafräume für Familie und Gesinde. Gegenüber dem Wohnhaus stand meist das Auszüglerhaus für die Altbauern. Die Scheune schloss den Hof nach hinten ab und bot Platz für Ernte und Vorräte. Wohnen und Arbeiten waren eng miteinander verbunden.

Heute sind viele dieser Höfe umgebaut oder verschwunden. Auch die alten Feldstrukturen sind seit der Zusammenlegung in der Zeit der LPG kaum noch zu erkennen. Dennoch finden sich in Ballendorf bis heute Spuren dieser Geschichte.

Ein besonderer Dank gilt Roland Sittner, der die Bilder und einen Teil der Texte für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt hat. Grundlage seiner Zusammenstellung waren unter anderem die Dorfchronik von Herrn Oliva sowie Aufzeichnungen von Herrn Tischer. Ergänzend wurden für diesen Beitrag auch Informationen aus der Schulchronik von Ballendorf herangezogen, die von Herrn Werner Tischer geführt wurde. So konnten mehrere historische Quellen zusammengeführt werden, die uns heute einen lebendigen Einblick in die Geschichte von Ballendorf bei Bad Lausick in Sachsen geben.